Die Region Zeitz-Weißenfels ist bereits seit der Industrialisierung untrennbar mit dem Abbau der Braunkohle verbunden. Diese Ressource schuf zwar Wohlstand in der Region, veränderte aber auch Landschaften und Lebenswelten. Ganze Dörfer mussten dem Braunkohleabbau weichen – so auch die Gemeinde Großgrimma.

Die Umsiedlung Großgrimma
Großgrimma, eine Gemeinde in Sachsen-Anhalt, sollte aufgrund der Erweiterung des Tagebaus Profen nach Hohenmölsen umgesiedelt werden. Im Vergleich mit den meisten umgesiedelten Ortschaften im Rheinischen Revier erfolgte hier die Umsiedlung sehr schnell: 1994 wurde der Vertrag unterschrieben und bereits vier Jahre später war die Umsiedlung der ca. 800 Einwohner*innen abgeschlossen. Die dann noch mehrere Jahre leerstehende Siedlung wurde zunächst noch von der Bundeswehr für die Ausbildung zum Kosovo-Einsatz genutzt, bis 2006 mit dem Abriss begonnen wurde.

Die Gründung der Kulturstiftung Hohenmölsen
Ein eher seltener Auslöser führte in Hohenmölsen zur Gründung der Kulturstiftung, denn alles begann mit einem Streit. Als nämlich die Gemeinde Großgrimma nach Hohenmölsen umgesiedelt werden sollte, entschlossen sich die Einwohner*innen, den Umsiedlungsprozess nicht nur zu akzeptieren, sondern neue Forderungen an den Betreiber zu stellen und so den neuen Ort mitzugestalten. Dabei stand die Kirche des Ortsteils Grunau im Fokus, denn ihr mächtiger Wehrturm aus dem Jahr 1130, später von einer barocken Turmhaube bekrönt, sollte erhalten bleiben und nach Hohenmölsen umgesetzt werden. Dies führte zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Stadt Hohenmölsen, die dieses Vorhaben ablehnte.

In seiner letzten Sitzung im Juni 1997 vor der Eingemeindung zur Stadt Hohenmölsen beschloss der Gemeinderat von Großgrimma daher einstimmig, die Errichtung der „Kulturstiftung Hohenmölsen“ als Entschädigung für den Abriss der Kirche zu fordern. Darauf wurde ein Stiftungskapital von 2,5 Millionen DM durch das Bergbauunternehmen MIBRAG bereitgestellt.

Die Stiftung hat den Zweck, Denkmalschutz, Denkmalpflege und den Heimatgedanken im Bereich der Stadt Hohenmölsen zu fördern. Sie widmet sich außerdem der Aufarbeitung und Darstellung der Bergbaugeschichte des Zeitz-Weißenfelser Braunkohlenreviers. Ziel sollte sein, Hohenmölsen zu einem kulturellen Zentrum der Region zu entwickeln – als lebendiger Ort der Erinnerung und des Austauschs.

Was macht die Kulturstiftung heute?
Die Stiftung möchte die Menschen ermutigen, ihre industrielle Geschichte bewusst wahrzunehmen und mit Selbstvertrauen in die Zukunft zu blicken. Sie unterstützt kulturelle Projekte, die sich mit der Industrie- und Sozialgeschichte Mitteldeutschlands beschäftigen, initiiert eigene Vorhaben und stärkt den Dialog zwischen den Generationen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, junge Menschen zu sensibilisieren und sie zu bestärken, Verantwortung für ihre Region zu übernehmen.

Bspw. wurden folgende Projekte umgesetzt:

  • Mit dem Schülerprojekt „Neue Heimat Hohenmölsen“ setzen sich Schüler mit dem Thema Heimat auseinander.
  • Das abgeschlossene umfangreiche Buchprojekt „Bergbau und Umsiedlungen im mitteldeutschen Braunkohlenrevier“ beleuchtet die bewegte Geschichte der Region und zieht Vergleiche mit den anderen Revieren hinsichtlich des Braunkohlenabbaus und damit verbundener Umsiedlungen.
  • Eine internationale Sommerakademie vernetzt Fachleute und Interessierte aus unterschiedlichen Disziplinen.
  • Die von der Kulturstiftung initiierten „Wandelgänge am Mondsee“ führen symbolisch zu 15 abgebaggerten Ortschaften, die mit maßstabsgerechten Steinplatten gekennzeichnet sind.
  • Informationstafeln entlang des RECARBO-Kohleradwegs laden dazu ein, Industriekultur hautnah zu erleben.
  • Darüber hinaus bündelt und unterstützt die Stiftung die Arbeit engagierter Vereine, etwa des Mitteldeutschen Umwelt- und Technikpark e.V. mit der Brikettfabrik „Herrmannschacht“ oder des Heimatvereins „Zeitz-Weißenfelser Braunkohlenrevier e.V.“ mit dem Bergbaumuseum Deuben. So wird wertvolles Wissen bewahrt, weitergegeben und für kommende Generationen lebendig gehalten.

Zukunft braucht Erinnerung
Die Kulturstiftung Hohenmölsen zeigt, wie Vergangenheit und Zukunft zusammengehören.
Sie macht deutlich, dass Veränderungen nicht nur erlebt, sondern aktiv gestaltet werden können. So wird aus einem schwierigen Kapitel der Industriegeschichte ein Fundament für Identität, Gemeinschaft und Aufbruch.

Das Braunkohlekraftwerk Deuben (Teuchern) in Betrieb im Jahr 2004. Heute hat Deuben ein Bergbaumuseum (© Foto: Dguendel, CC BY 3.0)
Stele der Wandelgänge und Rezeption des Erlebnisparks Mondsee (© Foto: K. Schierhold / LVR-geSCHICHTEN)
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