Ein in großen Teilen verklinkerter Fabrikkomplex mit zwei Gebäuden, welche über einen Tunnel im zweiten Stockwerk verbunden sind.
Das Braunkohlekraftwerk Deuben (Teuchern) in Betrieb im Jahr 2004. Heute hat Deuben ein Bergbaumuseum (© Foto: Dguendel, CC BY 3.0)

Die Brikettfabrik Herrmannschacht – Industriegeschichte erleben

Die Brikettfabrik Herrmannschacht im Süden Sachsen-Anhalts ist ein bedeutendes Zeugnis der mitteldeutschen Industriekultur. Heute gilt sie als eines der letzten gut erhaltenen Denkmale, das die Braunkohleverarbeitung vergangener Zeiten sichtbar macht.

Wie aus Moorlandschaften Braunkohle entstand
Im Zentrum des Außengeländes steht der Braunkohlewald mit seinem Lehrpfad. Dort erfahren Besucher*innen, wie sich vor Millionen Jahren aus mächtigen Sumpf- und Moorwäldern Braunkohle entwickelte. Pflanzenreste lagerten sich im Wasser ab, blieben luftdicht verschlossen und wurden später von Erdschichten überdeckt. Druck und Wärme sorgten dafür, dass sich aus Torf allmählich Braunkohle bildete. Die angelegten Pflanzbecken zeigen beispielhaft, wie eine mitteldeutsche Moorlandschaft ausgesehen haben könnte. So wird der erdgeschichtliche Landschaftswandel anschaulich erklärt.

Eine Fabrik aus der Zeit der Dampfkraft
Die Brikettfabrik wurde bereits 1889 gegründet (zum Vergleich: die älteste Brikettfabrik des Rheinischen Reviers in Wachtberg bei Frechen wurde 1902 in Betrieb genommen!) und trug den Namen ihres Initiators Richard Herrmann. Jahrzehntelang wurde hier Braunkohle in Briketts gepresst – der einzigartige Maschinenbestand aus der Gründungszeit ist weitgehend erhalten und versetzt die Besucher*innen in die Ära der dampfbetriebenen Technik zurück.

Ein industrielles Gerät mit vielen Rohren, Pumpen und Seilscheiben.
Diese Brikettpresse stellte pro Pressvorgang ein Brikett her (© Foto: Dingsknipser, CC BY-SA 3.0)

1959 endete die Produktion und bereits 1961 stellte man das Werk unter Denkmalschutz, was den Erhalt bis heute sicherte. Seit 1994 kümmert sich ein Verein um den Erhalt und die Pflege der Anlage. Im Jahr 2009 wurde der Herrmannschacht Teil der Europäischen Route der Industriekultur.

Historische Öfen und ihre GeSCHICHTEN
Ein besonderes Highlight ist das im ehemaligen Sozialgebäude untergebrachte Ofenmuseum. Mit seiner umfangreichen Sammlung historischer Öfen dokumentiert das Museum , wie Kohle den Alltag der Menschen über lange Zeit prägte: Vom Küchenherd bis zum Badeofen, vom einfachen Wärmespender bis zum aufwendig verzierten Kachelofen. Die Ausstellung beleuchtet auch den sozialen Aspekt: Öfen waren Treffpunkt, Wärmequelle und oft Herzstück einer Wohnung. Heute erinnern sie daran, wie eng Kohle mit dem alltäglichen Leben verbunden war.

Ein industrielles Gebäude auf Stahlträgern. An der vorderen Seite ist ein Hebearm, unter dem Gebäude zwischen den Stahlträgern befinden sich einige Loren auf Schienen. Im Hintergrund sind Bäume und Wiesen zu erkennen.
Entladestation für die mit Kohle gefüllten Waggons der Brikettfabrik Herrmannschacht (© Foto: Dingsknipser, CC BY-SA 3.0)
Eine eiserne Wetterfahne mit den Anfangsbuchstaben der Himmelsrichtungen am unteren und einem Stern am oberen Ende. Mittig ist das Hammer-und-Schlägel-Symbol mit der Jahreszahl 1881 angebracht.
Wetterfahne der ehemaligen Brikettfabrik „Hermannschacht“ in Zeitz (© Foto: Norbert Kaiser, CC BY-SA 2.5)

Für Eisenbahnfreunde und Technikfans
Nicht nur Technikgeschichte, sondern auch Eisenbahngeschichte wird auf dem Gelände lebendig. Historische Loks dürfen betreten werden und ein Miniaturpark bietet zusätzliche Einblicke in die Transporttechnik vergangener Jahrzehnte, die auch für den Briketttransport wichtig war.

Erhalt einer besonderen Industrieanlage
Der Herrmannschacht zeigt auf anschauliche Weise, welche Bedeutung die Braunkohle für Mitteldeutschland hatte. Vom ursprünglichen Moorwald über den aufwendigen Inkohlungsprozess bis hin zur Nutzung in Öfen und Heizungen: Hier wird (Braunkohle-)Geschichte greifbar.

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