Eine Gruppe Radfahrerinnen und Radfahrer auf einem Fahrradweg. Dieser zieht sich beiderseitig an einem Waldessaum mit Bäumen entlang.
Recarbo-Kohleradweg (© Foto: Transmedial / Saale-Unstrut Tourismus GmbH, CC BY-SA)

Zwischen sanften Hügeln, alten Fördertürmen und grünen Wäldern schlängelt sich ein Radweg, der mehr ist als nur eine Strecke für Ausflügler*innen. Der RECARBO-Kohleradweg im Mitteldeutschen Braunkohlerevier verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – und erzählt dabei eine Geschichte, die tief in den Boden und die Identität der Region reicht.

Über Jahrzehnte war die Braunkohle das Rückgrat der Energieversorgung – auch in Ostdeutschland. Die Region um Halle und Leipzig wurde durch den Tagebau geprägt: Riesige Schaufelradbagger fraßen sich durch die Landschaft, Dörfer verschwanden, Arbeitsplätze entstanden – und mit ihnen auch soziale Spannungen und ökologische Herausforderungen. Der RECARBO-Kohleradweg führt mitten durch diese Geschichte: vorbei an ehemaligen Tagebauen, rekultivierten Flächen und technischen Denkmälern.

RECARBO: Forschung trifft Fahrrad
Der Name RECARBO steht für ein Forschungsprojekt, das sich mit der nachhaltigen Transformation von Kohleregionen beschäftigt. Der 19 km lange Radweg, der zwischen 2009 und 2013 entstand, ist Teil dieses Projekts und soll nicht nur touristisch attraktiv sein, sondern auch Wissen vermitteln. An interaktiven Stationen erfahren Besuchende, wie CO₂ gebunden werden kann, welche Alternativen zur Kohle existieren und wie die Energiewende konkret vor Ort aussieht.

Stationen mit Geschichte und Zukunft
Allein entlang der Route vom Zeitzer Herrmannschacht bis zum Mondsee in Hohenmölsen erzählen zehn Schautafeln von der industriellen Vergangenheit – von Gruben, Fabriken und Wasserläufen bis hin zur Renaturierung ehemaliger Tagebaufelder. Historische Fotos und Pläne machen Geschichte lebendig. Jede Tafel wird von einem Findling mit einem Maulwurf auf einem Fahrrad, dem Maskottchen des Radweges, begleitet. Auf der Strecke zwischen Brikettfabrik Herrmannschacht Zeitz, Schwelereikomplex Groitzschen, Schachtanlage „Paul II“ Deuben, Bergbaumuseum Deuben, Wasserturm Zembschen und dem Mondsee laden zahlreiche Stationen zum Verweilen und Staunen ein, so z. B.

  • Grana und Kretzschau: Dies sind kleine Orte mit Spuren des Bergbaus und rekultivierter Landschaft. In Kretzschau lädt ein Badesee zur Erholung ein – entstanden aus einem ehemaligen Tagebau.
  • In Deuben befindet sich ein Bergbaumuseum, das auf Voranmeldung besichtigt werden kann. Es bietet Einblicke in die Förderung und Verarbeitung der Braunkohle – sowohl im Tief- als auch im Tagebau.
  • Erholungspark Mondsee (Hohenmölsen):Am Endpunkt des Radwegs befindet sich der Mondsee, entstanden aus einem gefluteten Tagebau. Hier erinnern die Wandelgänge – ein Labyrinth aus Hainbuchenhecken – an die 15 Dörfer, die dem Tagebau weichen mussten.
Abendliche Ansicht eines Sees mit Wiese und Bank im Vordergrund. Um den See herum befinden sich viele Bäume.
Mondsee in Sachsen-Anhalt südlich von Hohenmölsen (© Foto: Daniel Sieler, CC BY-SA 4.0)

Rekultivierung und Renaturierung
Die Renaturierung der Tagebaulandschaften ist ein zentrales Thema des Radwegs. Die Stationen zeigen, wie aus einem ausgekohlten Tagebau ein Lebensraum für seltene Tierarten wurde. Der Weg macht sichtbar, wie Natur und Technik miteinander ringen – und manchmal auch harmonieren.

Erlebnis mit Tiefgang
Der RECARBO-Kohleradweg ist also kein gewöhnlicher Radweg. Es ist ein Erlebnisweg, der Bildung und Bewegung verbindet. Familien, Schulklassen und Radbegeisterte können hier nicht nur die Natur genießen, sondern auch verstehen, wie tiefgreifend der Strukturwandel ist. Die Strecke ist gut ausgebaut mit Rastplätzen, Aussichtspunkten und digitalen Angeboten, die per QR-Code abrufbar sind.

Zukunft auf zwei Rädern
Der Kohleradweg ist ein Symbol für den Wandel: weg von fossilen Energien, hin zu nachhaltigen Konzepten. Er zeigt, dass Transformation nicht nur ein abstrakter Begriff ist, sondern konkret erfahrbar wird – auf zwei Rädern, mitten in der Landschaft, die sich neu erfindet. Der RECARBO-Kohleradweg ist damit nicht nur ein touristisches Highlight, sondern auch ein Impulsgeber für die Zukunft der Region.

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