Project Description
Mai 2026: Veranstaltung zum gesellschaftlichen Stellenwert der Industriekultur in Zschornewitz

„Industriekultur leben und die Zeit nach der Kohle gestalten“
Nachmittagsveranstaltung im Kraftwerk Zschornewitz (Sachsen-Anhalt)
Unter dem Titel „Arbeitswelten in Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg und im Ruhrgebiet – Werkstattbericht, Bilderbingo und Podiumsgespräch zu Industrieregionen im Wandel“ fand am 7. Mai 2026 ab 16:30 Uhr im Kraftwerk Zschornewitz die öffentliche Nachmittagsveranstaltung statt. Eingeladen war eine breitere regionale Öffentlichkeit, um die Ergebnisse des Vormittags mit Ehrenamtlichen, Auszubildenden und Studierenden gemeinsam weiterzudenken. Für das geSCHICHTEN-Team des LVR nahm Annette Schneider-Reinhardt daran teil.
Im Mittelpunkt stand der Austausch über den gesellschaftlichen Stellenwert der Industriekultur. Die Industriekultur wurde dabei ausdrücklich als etwas beschrieben, das vom freiwilligen Engagement und vom Austausch vor Ort lebt.

Zu Beginn gab es einen Werkstattbericht über die Diskussionen am Vormittag. Dort hatten Ehrenamtliche, Auszubildende und Studierende über Geschichte, Gegenwart und Zukunft industriekulturellen Erbes gesprochen. Ein zentrales Thema war die Frage, wie junge Menschen nicht nur zuhören, sondern selbst in den Dialog mit Ehrenamtlichen und Zeitzeug*innen kommen können.
Ein zentraler methodischer Zugang am Nachmittag war das Format „Auf Schicht“, ein Bilderbingo mit historischen Fotos. Anhand von Motiven aus Sachsen-Anhalt und dem Ruhrgebiet konnten die Teilnehmenden spielerisch Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Erinnerungsorte der Industrieregionen entdecken. Solche Formate erleichtern den Einstieg in Gespräche über Arbeit, Wandel und regionale Identität.
Zeitzeuginnen unterstrichen die Fotos und erzählten ihre eindrücklichsten Erlebnisse und ihre Erfahrungen z.B. mit Feierabend und Kantine. Die Gespräche machten deutlich, dass Zeitzeuginnen und Zeitzeugen nicht nur als „Erzählende“ wahrgenommen werden sollten, sondern als aktive Mitgestaltende eines gemeinsamen Erinnerungsraums. Genannt wurden Beispiele und biografische Perspektiven aus Bitterfeld, Zschornewitz, dem Ruhrgebiet und aus der Zeit nach der Wende.
Ein weiterer Programmpunkt war der Ausblick auf die Machbarkeitsstudie für das Areal Kraftwerk Zschornewitz. Damit wurde die Frage aufgeworfen, wie sich der Ort selbst künftig entwickeln und in einen neuen Umgang mit dem industriellen Erbe einbinden lässt.
Im anschließenden Podiumsgespräch ging es um die Frage, wie Industriekultur bewahrt und zugleich zukunftsorientiert weiterentwickelt werden kann. Mit dabei waren Sophie Altmiks (Just Transition Center Halle), Thomas Fischer (Netzwerk Industriekultur Sachsen-Anhalt), Michael Farrenkopf (Deutsches Bergbau-Museum Bochum) und Dierk Hoffmann (Institut für Zeitgeschichte München) ; moderiert wurde das Gespräch von Carsten Debes (Institut für Länderkunde Leipzig) und Leo Kamps (Forum Rathenau). Die Diskussion verband Perspektiven aus Transformationsforschung, Industriekultur, Bergbaugeschichte und Zeitgeschichte und machte deutlich, dass Industriekultur nicht nur Erinnerung ist, sondern auch ein Raum für aktuelle Fragen des Wandels. All dies beschäftigt uns auch im Rheinischen Revier.
Der Ort selbst – das Kraftwerk Zschornewitz als einst leistungsstärkstes Braunkohlekraftwerk der Welt – verlieh der Diskussion eine besondere atmosphärische und historische Tiefe.

