Merzenich im Wandel der Zeit
Merzenich gräbt! Ein Gemeinschaftsprojekt der LVR-Bodendenkmalpflege im Rheinland und der Gemeinde Merzenich
In diesem Jahr findet eine große gemeinsame Aktion der LVR-Bodendenkmalpflege im Rheinland und der Gemeinde Merzenich statt: Alle sind herzlich eingeladen mitzuhelfen, die frühe Geschichte Merzenichs zu erforschen. Aber was ist eigentlich so spannend für die Archäologinnen und Archäologen an Merzenich?
Die Geschichte des Orts reicht deutlich über seine erste schriftliche Erwähnung von 1225 hinaus. Archäologische Befunde belegen eine kontinuierliche Besiedlung seit der Jungsteinzeit. Damit steht Merzenich exemplarisch für viele Siedlungsräume im Rheinland, deren historische Tiefe sich erst durch moderne Forschung erschließt.
Kontinuität und Austausch: Von der Steinzeit bis zur Eisenzeit
Bereits um 5.100 v. Chr. existierte im Bereich des heutigen Valderswegs eine Siedlung der sogenannten Bandkeramiker. Die dort lebenden Gemeinschaften betrieben Ackerbau und hielten Nutztiere. Funde von Werkzeugen, Schmuck und der namengebenden bandverzierten Keramik belegen ein entwickeltes handwerkliches Können. Eine seltene kleine Idolfigur aus Ton, vermutlich mit stilisiertem Bärenkopf, verweist auf symbolische oder religiöse Vorstellungen.
Auch in den folgenden Jahrtausenden blieb der Raum besiedelt. Funde aus der Bronze- und Eisenzeit zeigen eine zunehmende Spezialisierung von Handwerk und Wirtschaft sowie überregionale Austauschbeziehungen. Merzenich war damit früh in größere wirtschaftliche Netzwerke eingebunden.
Frühmittelalterliches Merzenich: Gräber, Gesellschaft und Siedlungsstruktur
Für das Frühmittelalter erlaubt insbesondere ein Gräberfeld aus dem 6. und 7. Jahrhundert detaillierte Einblicke. Die rund 70 untersuchten Bestattungen belegen eine sozial differenzierte Gemeinschaft: Aufwendig ausgestattete Gräber weisen auf eine lokale Führungsschicht hin, während Unterschiede in Beigaben und Grabgestaltung soziale Hierarchien widerspiegeln. Auch Kinder wurden entsprechend dem Status ihrer Familien bestattet. Veränderungen in der Graborientierung deuten zudem auf einen zunehmenden Einfluss des Christentums hin.
Die zugehörige Siedlung ist bislang nicht eindeutig lokalisiert, wird jedoch im Bereich des Ellebachs vermutet. Die Lage Merzenichs an bedeutenden Verkehrswegen sowie geeignete landwirtschaftliche Flächen dürften entscheidend für die dauerhafte Besiedlung gewesen sein.
Bedeutende Ereignisse in der Geschichte Merzenichs: Erste schriftliche Überlieferung und Franzosenzeit
Aus heutiger Sicht bedeutend ist für viele Orte ihre erste schriftliche Erwähnung. Diejenige Merzenichs lässt sich in das Jahr 1225 zurückverfolgen und steht im Zusammenhang mit einem interessanten Geschäftsvorgang zwischen regionalen Adelshäusern: Graf Otto von Neuenahr verpfändete nämlich seinen Besitz in Merzenich an den Grafen von Jülich, vermutlich um seine Burg zu bauen.
Einen weiteren Umbruch in der Geschichte Merzenichs markiert später die französische Herrschaft um 1800, die mit bedeutenden Verwaltungsreformen und einer systematischen Erfassung der Bevölkerung in Zivilstandsregistern einherging. Diese Quellen geben u. a. Einblick in die damalige Sozialstruktur, die überwiegend landwirtschaftlich geprägt war.
Merzenich als kontinuierlich genutzter Siedlungsraum ist in seiner Entwicklung trotz der beiden letzten Beispiele weniger durch Einzelereignisse als durch langfristige Prozesse geprägt. Archäologische und schriftliche Quellen verdeutlichen die Einbindung des Ortes in übergeordnete wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenhänge.
Merzenich gräbt – Mitforschen vor Ort!
Trotz der eigentlich guten Forschungslage sind aber zentrale Fragen weiterhin offen – insbesondere zur genauen Ausdehnung des frühmittelalterlichen Gräberfeldes und zur Zeit davor, der spätantiken Entwicklung des Ortes.
Hier setzt die Citizen-Science-Initiative „Merzenich gräbt!“ an. Ziel ist es, gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern neue Erkenntnisse vor allem zur spätantiken und frühmittelalterlichen Geschichte des Ortes zu gewinnen. Eine Teilnahme ist ohne Vorkenntnisse möglich. Entscheidend ist das Interesse, sich aktiv an archäologischer Forschung zu beteiligen.
Nutze die Gelegenheit, selbst an der Erforschung der Geschichte Merzenichs mitzuwirken. Jede Teilnahme trägt dazu bei, das Bild der Vergangenheit genauer zu zeichnen!
Mehr dazu erfährst Du auf der tu! Hambach in Bürgewald am 14. Juni 2026. Hier findest Du das Programm.

