In Merzenich wird Archäologie bald zur Gemeinschaftssache: Im September 2026 soll das Gemeindegebiet Schauplatz mehrerer kleiner Mitmach-Grabungen werden. Bürgerinnen und Bürger erhalten dabei die Möglichkeit, selbst zu Schaufel und Kelle zu greifen und aktiv an der Erforschung der spätantiken und frühmittelalterlichen Geschichte ihres Ortes mitzuwirken. Alle Informationen zur Aktion und zur Teilnahme hat die Archäologin Dr. Petra Tutlies bei einer Informationsveranstaltung am 25. Februar um 18 Uhr in Merzenich im Ratssaal, Valdersweg 1, vorgestellt.

Rimburg gräbt – das erfolgreiche Vorbild

Wie kam es zu dieser Idee? Den Anstoß gab ein grenzüberschreitendes Projekt in Rimburg im Mai 2024. Dort hatten das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, die niederländische Regionalarchäologie Parkstad und das Projekt Via Belgica gemeinsam mit 120 Freiwilligen das römische Straßendorf entlang der Via Belgica untersucht – beiderseits der Grenze zwischen Übach-Palenberg und Landgraaf. Ziel war es nicht nur, wissenschaftliche Fragen zur Ausdehnung und Erhaltung der Siedlung zu klären, sondern auch das Bewusstsein für das archäologische Erbe und die nachbarschaftliche Zusammenarbeit zu stärken.

Die Resonanz war überwältigend, und die Begeisterung der Freiwilligen prägte das Grabungswochenende. Für viele war die Teilnahme die Erfüllung eines langjährigen Wunsches – ein Kindheitstraum und ein persönliches Highlight, einmal selbst an einer Ausgrabung mitzuwirken. Trotz Regen, aufsteigendem Grundwasser und körperlicher Anstrengung blieb die Stimmung ausgesprochen positiv. Die Bürgermeister betonten die verbindende Kraft gemeinsamer Geschichte, und auch aus wissenschaftlicher Sicht lieferte das Projekt wertvolle neue Erkenntnisse. In elf Test-Schnitten – teils in privaten Gärten – wurden Funde von der Jungsteinzeit bis in die Neuzeit geborgen. Neben mittelalterlicher Keramik traten auch eisenzeitliche und römische Scherben zutage, darunter der Boden eines bemalten Bechers aus dem 1.–3. Jahrhundert n. Chr. Neu waren den Archäologinnen und Archäologen die Hinweise auf ältere Siedlungsspuren vor der Römerzeit.

Vor allem aber zeigte sich, wie stark eine solche Mitmachaktion Identifikation stiften kann – mit dem eigenen Ort und mit der eigenen Vergangenheit.

Merzenich gräbt – Mitmachen erwünscht!

Diese Erfahrungen bilden nun die Grundlage für das geplante Projekt in Merzenich. Die Idee: Archäologie nicht nur zu vermitteln, sondern erlebbar zu machen – direkt vor der eigenen Haustür.  Nach dem Vorbild von Rimburg gräbt planen die Gemeinde und das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, gemeinsam mit interessierten Bürger*innen die Geschichte Merzenichs zu erforschen. Alle, die immer schon einmal wissen wollten, wie Archäologie funktioniert und dies ausprobieren möchten, können selbst aktiv werden und mitwirken.

Informationsveranstaltung in Merzenich am 25. Februar, 18 Uhr

Zur ersten Infoveranstaltung am 25. Februar kamen etwa 20 Interessierte, die viele Fragen stellten, etwa: wie alt muss man für eine Teilnahme sein? Ab 10 Jahre dürfen Kinder in Begleitung der Eltern an der Aktion teilnehmen. Oder: Was passiert, wenn Munition gefunden wird? Zuvor wird der Kampfmittelräumdienst eingeschaltet und untersucht die Flächen; und während der Grabungen ist an jeder Fläche ein erfahrene/r Archäologe/in bzw. Grabungstechniker*in dabei, die im Fall eines Munitionsfundes entsprechende Maßnahmen ergreifen. Einige bewegte auch die Frage, was denn passiert, wenn etwas Größeres gefunden wird, also die kleine Testgrabung von 1×1 m nicht ausreicht, um alles zu dokumentieren. Auch hierauf gibt es eine Antwort: alles Gefundene wird dokumentiert, aber nicht über die Grenzen der vorher festgelegten Fläche hinaus weiterverfolgt, sondern wieder verfüllt. Diese und viele weitere Fragen und Antworten zum Ablauf stellen wir demnächst noch einmal zusammen und zum Download zur Verfügung.

Am Ende der Veranstaltung trugen sich schon viele in die Helfer*innenliste ein, ein toller Auftakt für das Vorhaben! Im Blog werden wir regelmäßig über die Planungen und Vorbereitungen berichten. Wer Interesse hat mitzumachen, wende sich direkt an die Gemeinde Merzenich, siehe auch den Infokasten.

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