Das Braunkohle-Großkraftwerk Frimmersdorf II liegt im rheinischen Braunkohlerevier in der Gemeinde Grevenbroich und wurde ab 1954 als Nachfolge eines bereits abgerissenen Kraftwerkes von der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks AG (RWE) in Zusammenarbeit mit der Kraftwerksabteilung der Firma Brown, Boveri & Cie. (BBC) errichtet. Die Gestaltung des Kraftwerksgebäudes verantwortete Fritz Börnke, Leiter der RWE-Bauabteilung. Von 1955 bis 1970 wurden in Abständen 16 Kraftwerksblöcke in Betrieb genommen, die 2.600 MW Strom erzeugen konnten.

Einblick in den Bau des Kraftwerks im Jahr 1954 (© Foto: Historisches Konzernarchiv RWE)

Als 1964 der deutsch-niederländische Künstler Wilhelm (Wim) Mulder das Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf II malte, war es mit 2.000 MW Leistung für kurze Zeit das größte Kraftwerk der Welt. Mulder wurde 1908 in Emmerich am Rhein geboren und verstarb 1992 in Ede, Niederlanden. Hauptsächlich malte er Landschaften und Stillleben, arbeitete jedoch auch als Glaskünstler, Illustrator, Gemälderestaurator und Lehrer. Ob das Gemälde „Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf II“ eine Auftragsarbeit war, ist nicht bekannt.

Das KW Frimmersdorf II um 1965. Block P befindet sich im Bau (© Foto: Historisches Konzernarchiv RWE)

Mulder näherte sich dem beeindruckenden Bauwerk von Nordosten her und stellt die 550 Meter lange Maschinenhalle ins Zentrum seines Bildes. Hinter der Maschinenhalle ragen 14 hohe Schornsteine hervor, die bis zu 125 Meter hoch waren. Hinter der Halle sind mehrere Kühltürme zu sehen. Vor der Maschinenhalle verläuft das Förderband zur Anlieferung der Kohle aus dem Tagebau Garzweiler.

Durch die Betonung der Schrägachse im Bild erschließt sich dem Betrachter die flache, weite Landschaft des Rheinlandes und der Erftniederung, wo sich das Kraftwerk befindet. Der Boden ist überwiegend erdig und aufgewühlt. Auf der leeren Fläche rechts werden schon ein Jahr nach Entstehen des Gemäldes zwei 300 MW-Kraftwerksblöcke gebaut werden.

Luftbild des Kraftwerks aus dem Jahr 1966 (© Foto: Historisches Konzernarchiv RWE)

Wim Mulder malte das Kraftwerk zu einem Zeitpunkt, als es noch ein ästhetisch geschlossenes Ensemble der Industriearchitektur darstellte. Aufgrund neuer technischer Anforderungen der Braunkohleverstromung kamen Gebäudeanlagen hinzu oder wurden abgerissen. Der unverstellte Blick auf die ursprüngliche Architekturidee wurde dadurch beeinträchtigt.

Mit dem Kohleausstieg wurde die Stilllegung des Kraftwerkes beschlossen. Planungen zur Nachnutzung des Gebäudes sehen vor, dass dort unter anderem der Landesbetrieb „Information und Technik NRW“ (IT.NRW) einziehen wird. Weiter ist in unter Denkmalschutz stehenden Teilbereichen eine kulturelle Inwertsetzung durch den Landschaftsverband geplant.
Darüber hinaus stellt das Monument eine Landmarke für die nachhaltige Modellregion Rheinisches Revier dar. Es symbolisiert den technischen Fortschritt des Stromzeitalters, den Energiehunger einer Konsumgesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg und steht für den Strukturwandel in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

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