Strukturwandel deutschlandweit –
Das Archiv verschwundener Orte in der Lausitz
Erinnerung und Dokumentation eines schmerzlichen Wandels
Die Geschichte der verschwundenen Orte in der Lausitz
In der Lausitz, einer Region, die schon lange von Braunkohletagebauen geprägt ist, mussten seit 1924 insgesamt 137 Dörfer ganz oder teilweise dem Kohleabbau weichen. Dabei verloren mehr als 25.000 Menschen ihre Heimat – ihre Ortschaften verschwanden unter den gigantischen Tagebauen. Die Orte, deren Geschichte über Jahrhunderte gewachsen war, existieren heute häufig nur noch in Dokumenten, Erinnerungen oder Gedenksteinen.
Der Braunkohletagebau hat der Lausitz zwar wirtschaftlichen Aufschwung gebracht, doch gleichzeitig kulturelle und soziale Brüche verursacht. Besonders betroffen war die sorbische Minderheit, deren landestypische Sprache, Traditionen und Siedlungsgebiete durch das Verschwinden zahlreicher Dörfer stark beeinträchtigt wurden.
Gründung und Zweck des Archivs verschwundener Orte
Das Archiv verschwundener Orte ist ein Dokumentations- und Informationszentrum im Ortsteil Horno der Stadt Forst (Lausitz), das 2006 entstand. Ausgangspunkt war der lange Widerstand der Bewohner*innen von Horno gegen die Abbaggerung ihres Dorfes, der 15 Jahre andauerte. Dieses Engagement führte zur Idee, alle seit 1924 abgebaggerten Orte der Lausitz systematisch zu erfassen und deren Geschichte zu bewahren.
Träger des Archivs ist die Stadt Forst, finanziert wurde es ursprünglich vom Energiekonzern Vattenfall. Ziel des Archivs ist es, Material wie Fotos, Geschichten, Karten, Dokumente und persönliche Schicksale von Bergbauumsiedler*innen zu sammeln, zu archivieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Die Ausstellung und multimediale Vermittlung
Kernstück des Archivs ist eine multimediale Dauerausstellung. Besonders beeindruckend ist der große begehbare Kartenteppich, der die gesamte Region des Lausitzer Braunkohlereviers zeigt. Besucher*innen können mit einem interaktiven Lesegerät, dem sogenannten „Infosauger“, alle verschwundenen Orte digital ansteuern und detaillierte Informationen abrufen – von ihrer geografischen Lage und Geschichte über Kultur, Schul- und Vereinswesen bis hin zu Fotos und Berichten über die Umsiedlungen.
Die Ausstellung thematisiert auch die Auswirkungen des Braunkohletagebaus auf die sorbische Kultur und Sprache, erläutert die Praxis und Folgen der Bergbauumsiedlungen und vermittelt die Erfahrungen der betroffenen Menschen. So wird die Geschichte der verschwundenen Orte nicht nur als regionales, sondern als lebendiges menschliches Schicksal erfahrbar.
Der aktuelle Umzug des Archivs
Nach 18 Jahren an seinem bisherigen Standort in Horno wird das Archiv verschwundener Orte derzeit in das neue Museum Forst integriert. Dieser Umzug ist Teil eines größeren Prozesses der Modernisierung und Neukonzeption. Das neue Museum wird die Themen des Archivs weiterhin präsentieren und das historische Wissen um die verschwundenen Ortschaften in einem aktualisierten und erweiterten Rahmen zugänglich machen.
Der Umzug eröffnet die Chance, die Dokumentation noch enger mit anderen regionalen Einrichtungen und Ausstellungen zu vernetzen und so einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln, wie tiefgreifend der Braunkohletagebau die Region geprägt hat und welche Bedeutung Erinnerung und Beteiligung für die Zukunft der Lausitz haben.





